Dessau-Roßlau, 26. März 2026 – Die Transformation der Wärmeversorgung gehört zu den zentralen Herausforderungen der kommenden Jahre: Steigende Anforderungen an den Klimaschutz, gesetzliche Vorgaben und das Ziel dauerhaft bezahlbarer Energie machen einen grundlegenden Umbau der bestehenden Systeme erforderlich. In Dessau-Roßlau stellen sich die Stadt und die Stadtwerke Dessau dieser Aufgabe gemeinsam und gestalten die Wärmewende aktiv und vorausschauend.
Zentrale Grundlage ist die kommunale Wärmeplanung der Stadt, mit der Dessau-Roßlau eine Vorreiterrolle einnimmt. Nach dem Wärmeplanungsgesetz ist die Stadt verpflichtet, bis spätestens Mitte 2028 einen kommunalen Wärmeplan zu erarbeiten. Dessau-Roßlau hat diesen Prozess frühzeitig gestartet und damit die Weichen für eine strukturierte Wärmewende gestellt. Der Wärmeplan definiert den strategischen Rahmen für eine langfristig bezahlbare, treibhausgasneutrale und versorgungssichere Wärmeversorgung bis zum Jahr 2045. Er zeigt auf, wie die Wärmeversorgung kosteneffizient und klimafreundlich ausgestaltet werden kann und differenziert danach, in welchen Stadtgebieten der Ausbau oder die Verdichtung von Wärmenetzen sinnvoll ist und wo dezentrale Lösungen wirtschaftliche Vorteile bieten. Die Stadt hat den Planungsprozess frühzeitig breit angelegt und Bürgerinnen und Bürger, Träger öffentlicher Belange sowie weitere Akteure umfassend beteiligt. Der Stadtrat hatte den Entwurf bereits im September 2025 zur öffentlichen Auslegung beschlossen, die Beteiligung erfolgte im Oktober. Der finale Beschluss des kommunalen Wärmeplans wird im Mai 2026 erwartet. Dabei erfolgte die Erstellung des kommunalen Wärmeplans in enger und vertrauensvoller Zusammenarbeit zwischen der Stadt, den Stadtwerken und allen beteiligten Stakeholdern der Kommune.
Aufbauend auf diesen strategischen Leitlinien konkretisieren die Stadtwerke Dessau mit ihrem Fernwärme-Transformationsplan die praktische Umsetzung für das bestehende Fernwärmesystem. Der Ende 2025 vom Aufsichtsrat bestätigte Plan beschreibt den technischen, wirtschaftlichen und zeitlichen Umbau der Fernwärmeversorgung mit dem Ziel, diese bis spätestens 2045 vollständig klimaneutral zu gestalten. Entsprechend den gesetzlichen Vorgaben soll der Anteil erneuerbarer Energien und unvermeidbarer Abwärme bis 2030 mindestens 30 Prozent und bis 2040 mindestens 80 Prozent betragen. Derzeit werden etwa 92 Prozent der Fernwärme mittels effizienter Kraft-Wärme-Kopplung im Heizkraftwerk „An der Fine“ erzeugt. Im Rahmen des Fernwärmetransformationsplans soll das Kraftwerk bis zum Jahr 2045 auf den Einsatz von Wasserstoff (H₂-ready) umgestellt werden. Bereits für die Erreichung der ersten Ausbaustufe von 30 Prozent grüner Energie bis 2030 sind erhebliche Aufwendungen für die Umgestaltung der Wärmeerzeugung erforderlich. Für die Modernisierung und Dekarbonisierung der Fernwärmeversorgung planen die Stadtwerke Dessau Gesamtinvestitionen in Höhe von rund 135 Millionen Euro bis zum Jahr 2041. Voraussetzung für eine wirtschaftlich tragfähige Umsetzung ist dabei die Einwerbung von Fördermitteln, um die Wärmepreise für die Bürgerinnen und Bürger langfristig stabil und bezahlbar zu halten.
Im Zentrum des Transformationsplans steht der schrittweise Aufbau eines dezentralen und zunehmend grünen Erzeugungsparks. Dieser basiert auf innovativen Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, Großwärmepumpen sowie der Nutzung industrieller Abwärme. Für die drei geplanten Anlagen der innovativen Kraft-Wärme-Kopplung (iKWK) konnten bereits Förderzuschläge gesichert werden. Am Standort Zoberberg ist der Baubeginn für das dritte Quartal 2026 vorgesehen, die Inbetriebnahme der Anlage mit einer erwarteten Wärmeerzeugung von rund 5,2 Gigawattstunden pro Jahr soll bis Ende 2027 erfolgen. Weitere Anlagen mit zusätzlichen Kapazitäten von zusammen etwa 5,7 Gigawattstunden jährlich sind im Bereich Waggonbau sowie in der Waldsiedlung geplant und werden in den kommenden Jahren umgesetzt.
Ein weiterer wesentlicher Baustein ist die geplante Errichtung einer Großwärmepumpe an der Kläranlage. In Verbindung mit einer neuen Fernwärmetrasse von rund 3,4 Kilometern Länge, die das Klärwerk mit weiteren Versorgungsbereichen in Dessau-Ziebigk bis zum Flugplatz verbindet, soll ein zusätzlicher Beitrag zur klimafreundlichen Wärmeversorgung geleistet werden. Der Beschluss zum Bau der Großwärmepumpe wird in den kommenden Wochen den städtischen Gremien sowie dem Aufsichtsrat vorgelegt. Parallel dazu beantragen die Stadtwerke für dieses Vorhaben mit einem Investitionsvolumen von rund 27,5 Millionen Euro Fördermittel im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW). Als eigene Anlage der Stadtwerke ermöglicht die Großwärmepumpe eine flexible Steuerung der Wärmeerzeugung und erhöht zugleich die Unabhängigkeit von externen Energiequellen.
Die Einbindung industrieller Abwärme ist ein weiterer wichtiger Bestandteil des künftigen grünen Erzeugungsparks. Auch die Nutzung von Abwärme aus der am Standort Dessau-Roßlau geplanten Algenfabrik wird im Fernwärme-Transformationsplan weiterhin als Option berücksichtigt. Eine Umsetzung setzt jedoch wirtschaftlich tragfähige Rahmenbedingungen voraus, über die bislang keine Einigung erzielt werden konnte.
Parallel dazu wird auch das Fernwärmenetz gezielt weiterentwickelt. Im Norden Dessaus wurde ein Gebiet mit hoher Wärmedichte identifiziert, das sich besonders für den Ausbau der Fernwärme eignet und perspektivisch vollständig erschlossen werden soll. Die entsprechenden Planungen erfolgen in enger Abstimmung zwischen Stadt, Stadtwerken und den zuständigen Gremien, Fördermittel hierfür wurden bereits beantragt. Mit der zunehmenden Integration erneuerbarer Energien sind zudem technische Anpassungen im Fernwärmesystem erforderlich. Da regenerative Energiequellen auf einem niedrigeren Temperaturniveau arbeiten, wird eine schrittweise Absenkung der Vor- und Rücklauftemperaturen im Netz ab Mai 2025 notwendig. Diese Umstellung ist Voraussetzung für einen effizienten und klimafreundlichen Betrieb und wird in mehreren Stufen bis 2030 umgesetzt.
Die Stadt Dessau-Roßlau und die Stadtwerke Dessau verfolgen mit ihrem abgestimmten Vorgehen das gemeinsame Ziel, die Wärmewende verantwortungsvoll zu gestalten. Alle wesentlichen Vorhaben werden dabei transparent vorbereitet und eng mit den zuständigen politischen Gremien abgestimmt. Im Mittelpunkt steht eine nachhaltige und wirtschaftlich tragfähige Wärmeversorgung, die auch langfristig für die Bürgerinnen und Bürger bezahlbar bleibt. Die Stadtwerke Dessau verstehen sich dabei als verlässlicher Partner und aktiver Gestalter dieses Transformationsprozesses und arbeiten intensiv an der Umsetzung der Maßnahmen sowie an der Sicherung der notwendigen Fördermittel.


